Info Patronale · Nr. 332 · Mai 2025
Bionomous: Automatisierung im Dienst der biologischen Forschung
Wie entstand die Idee von Bionomous?
Deutsche Fassung
Interview mit Frank Bonnet, Gründer von Bionomous
Die Idee von Bionomous entstand während meiner Doktorarbeit an der EPFL, wo ich einen Roboterfisch entwickelte, um das Sozialverhalten von Fischen in Gruppen zu untersuchen. Es war ein originelles europäisches Projekt mit dem Ziel, Roboter in Fischgruppen einzubinden, um ihr Sozialverhalten zu beobachten. Meine Aufgabe war es, diese Roboter zu konzipieren, während meine Biologen-Kollegen in Paris Verhaltensexperimente mit echten Fischen durchführten.
Jedes Mal, wenn ich für die Experimente zu ihnen stiess, bemerkte ich, dass sie enorm viel Zeit damit verbrachten, Fischeier von Hand zu sortieren, statt die Roboter einzusetzen, an denen ich arbeitete. Zunächst im Scherz schlug ich die Idee eines Roboters zur automatischen Sortierung der Eier vor. Als ich dann an Konferenzen über den Zebrafisch teilnahm, wurde mir klar, dass dieses Bedürfnis weit über mein Team hinaus verbreitet war. So entstand der Wunsch, eine breiter anwendbare automatisierte Lösung zu entwickeln.
Worin besteht die von Bionomous angebotene Lösung genau?
Unsere Technologie kombiniert Robotik, Fluidik, Optik und künstliche Intelligenz (KI). Herzstück unseres Systems ist eine patentierte Methode, mit der sich biologische Einheiten (wie Fischeier) automatisch isolieren und einzeln einer Kamera präsentieren lassen, für eine automatische Sortierung auf Basis von Bilderkennung.
Anfangs wurden unsere KI-Algorithmen ausschliesslich intern entwickelt. Heute ermöglichen wir es den Nutzern selbst, die Modelle nach ihren eigenen spezifischen Bedürfnissen zu trainieren. Das macht unsere Lösung äusserst anpassungsfähig für verschiedene Anwendungen und Kontexte.
Welche Rolle spielt die künstliche Intelligenz in Ihrem System genau?
Die KI kommt hauptsächlich bei der Bilderkennung zum Einsatz. Jedes zu sortierende Element wird vor eine Kamera gebracht, die ein Bild aufnimmt. Dieses Bild wird dann von per Machine Learning trainierten Algorithmen analysiert, die zum Beispiel befruchtete von unbefruchteten Eiern unterscheiden können. Je mehr Daten wir bei unseren Nutzern sammeln, desto präziser und leistungsfähiger wird unser KI-Modell.
Wer sind Ihre aktuellen Kunden und was sind Ihre potenziellen Märkte?
Derzeit stammen rund 80 % unserer Kunden aus der akademischen Welt und aus Forschungslaboren. Die übrigen 20 % kommen hauptsächlich aus der Pharmaindustrie, einschliesslich kleiner Unternehmen, die Dienstleistungen für die grossen Pharmakonzerne anbieten.
Wir möchten unsere Anwendungen derzeit über den rein akademischen Sektor hinaus ausweiten, insbesondere auf die Aquakultur (für Fischbrutanstalten) und die Landwirtschaft (für die Sortierung von Saatgut). Wir konzentrieren uns auf Elemente von etwa einem Millimeter, ein auf dem heutigen Markt noch wenig erschlossenes Segment, was eine ausgezeichnete Entwicklungschance für Bionomous darstellt.
Wie sehen Sie die Entwicklung der Automatisierung in den betroffenen Laboren und Branchen?
Die Automatisierung boomt und betrifft nicht nur die Biologie. Im wissenschaftlichen Kontext entspricht sie einem wachsenden Bedürfnis nach Standardisierung der Verfahren. Sie gewährleistet homogene Ergebnisse, was insbesondere für die Pharmaindustrie bei Tests und Validierungen medizinischer Behandlungen wesentlich ist.
Ein neuer Trend sind die Organoide, kleine biologische Strukturen, die menschliche Gewebe wie Leber oder Gehirn nachbilden können, um Behandlungen zu testen, ohne direkt auf Tiere oder Menschen zurückzugreifen. Die heutigen Verfahren zur Handhabung dieser Organoide sind sehr teuer, da sie sehr manuell und zeitaufwendig sind. Eine Automatisierung dieser Prozesse würde die Kosten erheblich senken und die Forschungszyklen beschleunigen.
Welche Vorteile ziehen Sie aus Ihrer Zusammenarbeit mit Fri Up?
Unsere Einbindung in das Netzwerk von Fri Up bietet uns die Möglichkeit, an einem dynamischen Ökosystem teilzuhaben, das den Austausch mit anderen Start-ups, Risikokapitalgebern und potenziellen Partnern erleichtert. Dank Fri Up konnten wir zum Beispiel mehrere wichtige Kontakte knüpfen, um neue Märkte und strategische Partnerschaften zu erkunden.